Kurzchronik

D´Waldschützen Neubiberg e.V.

Üb Aug´ und Hand fürs Vaterland:

Dieser Leitspruch war es wohl, der im Jahre 1913 einige Neubiberger zusammenkommen ließ, um die Waldschützen ins Leben zu rufen.

Aus dieser Gründungszeit gibt es leider sehr wenige Dokumente, ein paar  alte Bilder, die in einigen Familien weitervererbt wurden.

Ein wichtiges Datum in der Vereinsgeschichte war der

 

die Weihe unserer Fahne,

Schützen 1953auf die wir Schützen heute noch sehr stolz sind. Sie ist z.B. jedes Jahr zu Fronleichnam immer noch im Original zu sehen.

Fortlaufende Berichte und Aufzeichnungen gibt es erst wieder seitSchützenumzug der Wiedergründung am 2. Juli 1951, dank unseres langjährigen Schriftführers Hermann  Kröller. Damaliger 1. Schützenmeister Ludwig Schmidl war sicherlich  heilfroh, als Josef Spörkl die Vereinsfahne mit zugehörigem Schrank

(aus dem Jahre 1931) und Ludwig Mehlstäubl, Schützenkönig des Jahres 1939,  die damals schon sehr wertvolle Schützenkette überbrachten.

Nach den schweren Nachkriegsjahren und Wiederaufbau des Schützenwesens war  es damals eine eingeschworene Gruppe, die Tradition und Geselligkeit  miteinander zu verknüpfen wusste. Alte Tradition wie z.B. das  Adlerschießen zu Fronleichnam wird heutzutage immer noch durchgeführt.

Im Jahre 1980 ein großer Einschnitt: Jungschützen und Schützendamen wurden in unserem Verein aufgenommen. Wir waren damals im Lindencafe  untergebracht, doch durch diese Neuaufnahmen mussten wir unser  Schießstandvolumen erhöhen. Der Umzug nach Putzbrunn und ein Jahr spääter in den neuerrichteten Schützenstand an der Zwergerstraße war von Nöten.

Ein Datum, das den Neubibergern sicher noch im Gedächtnis ist:

Heutzutage fördern wir das sportliche Schießen mit Luftdruckgewehren und -pistolen, und die Erfolge bleiben nicht aus:

Teilnahme an bayerischen und deutschen Meisterschaften ist kein Traumziel mehr.

 

Die Geschichte der Waldschützen Neubiberg zum 70 jährigem

 

,,Es war einmal", so beginnen alle alten Geschichten und so beginnt auch die Geschichte der Waldschützen Neubiberg. ,,Es war einmal", ein Rückblick in die Vergangenheit, ein Forschen nach seiner eigenen Herkunft? Wer sind wir Schützen, wo kommen wir her und wie hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Bedeutung des Schützenwesens verändert?

Schon im l4. Jahrhundert und vorher gab es die bürgerlichen Bruderschaften. Ihr Schutzpatron war bereits damals St. Sebastian, der Märtyrer, der den numidischen Bogenschützen des römischen Kaisers Diocletian eine menschliche Zielscheibe gewesen war. Seelenmessen für verstorbene Schützenbruder wurden daher am Sebastianitag abgehalten. Die Armbrust, eigentlich Arm-Rust, also Armrüstung, im Besitz von Bruderschaften, Innungen und Zünften und später dann die Feuerwaffe, wurden zum Mittel für mehr Recht und Freiheit des Bürgertums. Aber auch die bayerischen Landesfürsten ununterstützten schon wegen der notwendigen Landesverteidigung das Schützenwesen stets sehr nachhaltig. Die Armbrust-, Stachel- oder Eibenschützen, wie sie sich auch nannten, hatten also ihr politisches Gewicht auch auf die kriegerische Waagschale gelegt. Von einer kriegerischen Motivation kann heutzutage Gott sei Dank nicht mehr die Rede sein. In den heutigen Schützenvereinen ist das Schützenwesen nämlich zur reinen Sportart geworden und Männer, Frauen und Jugendliche üben dort rein sportlich und äußerst friedlich mit der Armbrust, mit Pfeil und Bogen, mit Luft- und Kleinkalibergewehr und mit Sport- und Schnellfeuerwaffen. Und trotzdem steckt gerade in den Schützenvereinen unserer Zeit aufgrund der historischen Entwicklung, wie kaum in einem anderen Feierabend-Vergnügen, die bürgerliche Tradition langer Jahrhunderte. Wenn alljährlich zum Münchner Oktoberfest die Gebirgsschützen aus dem bayerischen Oberland in ihrer historischen Tracht und die vielen anderen Vereine samt ihren Schützenkönigen, die schweren Silberketten umgehängt zur Theresienwiese marschieren, dann spürt man etwas von dieser großen Tradition des Schützenwesens, hier speziell des bayerischen Schützentums.

Innerhalb dieser hier nur kurz gestreiften großen Tradition des Schützenwesens taten sich nun in unserer engeren Heimat 1913, also schon vor dem 1 . Weltkrieg, noch unter der Devise ,,Üb Aug und Hand fürs Vaterland", die ersten Schützen zusammen. Mit Zimmerstutzen schossen sie im ehemaligen Gasthaus Braun in Unterbiberg auf die Scheibe. Bis vor wenigen Jahren waren Reste des Schießstandes, ein Mauerdurchbruch, noch zusehen. Seinerzeit gehörte dieses Gasthaus dem letzten aus Unterbiberg stammenden Bürgermeister der Gemeinde Unterbiberg, heute Gemeinde Neubiberg, Herrn Karl Huber. Kennzeichnend für die damalige Zeit ist, dass der Nachfolger im Bürgermeisteramt, Herr Lorenz Bauer, schon aus dem seinerzeitigen neuen Ortsteil Neubiberg kam. Und so, wie sich die gemeindliche Entwicklung von Unterbiberg nach Neubiberg, also vom Ursprung des Bauerndorfes zur Entstehung einer Gartenstadt, verlagerte, so verlagerte sich auch der örtliche Mittelpunkt unserer Schützengesellschaft. Der Schießstand in Unterbiberg wurde verlassen und die Zimmerstutzen knallten nun bis zum 2. Weltkrieg in der alten Bahnhofsrestauration, der jetzigen Ölfabrik am Bahnübergang, in der neuen Bahnhofsgaststätte Hartl, im Lindencafe und in der jetzigen Gaststätte Leiberheim, dem ehemaligen Kameradschaftsheim des Kgl. Bayerischen Leibregimentes.

 

Alten, vergilbten Fotos ist zu entnehmen, dass auch schon die damaligen Schützenbrüder nichts ausließen, was es nur zu feiern gab. Wurde doch 1923 das zehnjährige Bestehen feierlich begangen. Aus dieser Zeit dürfte die auch heute noch vorhandene Standarte stammen. Höhepunkt des sich immer mehr entwickelnden Vereinslebens in Neubiberg war die Weihe der Fahne unserer Schützengesellschaft am 12.7.1931 . Dem Fahnenkasten sind alle wichtigen Namen dieses Ereignisses zu entnehmen: Protektor - “ Seine Hoheit Fürst Wilhelm zu Wied, Ehrenausschuss - Dr. Carl Freiherr von Stockhausen, Oberst Carl Freiherr Löffelholz von Colberg, Bürgermeister Lorenz Bauer, Patenverein -Altbayerischer Schützenbund, Fahnenmutter - Frau Anna Hofbauer, Fahnenbraut - Frl. Hanni Hofbauer (verh.
Scholze), Fahnenjungfern - Frl. Hilde Bauer (verh. Aumiller), Frl. Clara Bauer (verh. Leicher), Frl. Erna Mehlstäubl
(verh. Besenhart), Frl. Lotte Lorenz (verh. Hofbauer), Frl. Barbara Schmidl (verh. Kröller). Leider bedeutet ,,Es war einmal,, im Zusammenhang mit diesem Zeitabschnitt ,,Nichts wissen". Es existiert nämlich keine, selbst auch nicht die kürzeste, schriftliche Überlieferung. Bekannt ist nur, dass zum Zeitpunkt der Fahnenweihe Fritz Hofbauer und vor und nach dessen Amtszeit Ludwig Schmidl Schützenmeister der Waldschützen waren.

Bekannt sind aber auch die drei Männer, die die Verbindung zwischen den Jahren 1945 und 1951 herstellten. Josef Spörkl übergab bereits 1948 die Vereinsfahne mit Schrank, Gewehrschrank und Teilermaschine an Ludwig Schmidl und Ludwig Mehlstäubl, der Schützenkönig von 1939, brachte die Schützenkette, er wurde übrigens für die Aufbewahrung und Rettung der Kette in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren zum Ehrenmitglied ernannt. Wie viele Pfunde gute Butter hätte wohl damals diese wertvolle silberne Kette erbracht? Und der Dritte im Bunde war Ludwig Schmidl, der Initiator der Wiedergründung, der zusammen mit Georg Karl, Josef Halbmayr, Michael Kölbl, Richard Schäder und Hermann Kröller am 2.7. 1951 die Schützengesellschaft wieder gründeten.

Mit der Neugründung beginnt wie im ganzen Land der Wiederaufbau und ab diesem Zeitpunkt stützt sich diese Berichterstattung auf die von mir lückenlos geführte Chronik. Also wie gesagt, alles wurde wieder neu in Angriff genommen, so auch das Schützenwesen. Aber die Männer wollten nach dem verlorenen Krieg auch wieder das Gefühl der Kameradschaft und des gesellschaftlichen Zusammenlebens in weißblauer Gemütlichkeit haben und daher unter Gleichgesinnten unter sich sein. Aus diesem Grunde beschränkten sie die Mitgliederzahl auf 20 Mitglieder. Um dieses Verhalten besser verstehen zu können, muss man wissen, dass das damalige Schützenmeisteramt, bestehend aus dem 1. Schützenmeister Ludwig Schmidl, dem 2. Schützenmeister und Kassier Richard Schäder und dem Schriftführer Hermann Kröller, selbst zu der kleinsten Feier im Lindencafe das ,,off Limits", das ,,Zutritt verboten" für amerikanische Soldaten von der Militärbehörde einholen mussten, um so Schwierigkeiten von vorneherein auszuschließen. Wir schufen uns eben unseren Kreis, wie wir das für richtig hielten. Wir forderten von niemand eine materielle Unterstützung und hatten daher aber auch gegenüber niemand eine Verpflichtung. Wir waren aber aufgrund unserer schlechten Erfahrung der vergangenen ,,1000 Jahre" sehr allergisch gegen jegliche Anordnung von oben, auch von den Dachverbänden der Schützen. Einordnen und Unterordnen sind schließlich zwei Paar Stiefel. Der Schießstand im Lindencafe mit 2 Ständen wurde wieder errichtet und manches gewohnte Schießen wieder aufgenommen. So das Schießen auf ein stählernes Kegelspiel, auf das bereits seinerzeit in Unterbiberg geschossen wurde. Da schwirrten die Querschläger gerade so durch die Luft; heute wäre so ein Schießen undenkbar. Damals gab’s auch noch keine automatischen und schon gar nicht elektrischen Zielangabeanlagen. Da brauchte man für jeden Stand noch einen Schreiber und draußen unter der Scheibe in einer Deckung einen Zieler, der dann auf mechanischem Wege dem Schützen sein Schießergebnis kundtat. So mancher heute ausgewachsener und leicht ergraute Schützenbruder duckte sich damals als halbwüchsiger Zieler vor dem nächsten Schuss, so zum Beispiel unser Walter Dürr. Auch einen Oberzieler gab’s, das war der Seibold Toni, dessen Sohn und Enkel heute selbst fleißige Schützen sind. Geschossen wurde in Schützentracht und wer dies ohne Hut tat, musste Strafe bezahlen. So ganz allmählich wurde auch der Zimmerstutzen, eine Feuerwaffe, durch das heute übliche Luftdruckgewehr ersetzt. Heute kracht’s nicht mehr im Stand, heute macht’s nur noch ,,baff,,.

Um die Gemeinschaft auch nach außen hin zu dokumentieren, legten sich die Waldschützen eine einheitliche Tracht zu, die im Oktober 1951 bei der Neubiberger Firma Gipp komplett mit Hut 159, - DM kostete. In der Sektion waren wir damit eine der ersten einheitlich  gekleideten Vereine und wir werden heute noch vom Sektionsschützenmeister Schmuck als damaliges Vorbild bezeichnet. Die Zusammengehörigkeit wurde auch dadurch bewiesen, dass wir mit wenigen Ausnahmen an allen auswärtigen Schießen gemeinsam teilnahmen und zu der damaligen Zeit fast alle Meistbeteiligungspreise in der Sektion mit nach Hause nehmen konnten. Auch das gesellschaftliche Leben wurde wieder angekurbelt. Schützenfeste, Ausflüge und Faschingsbälle wurden abgehalten und stimmungsvolle Weihnachtsfeiern mit Nikolaus, aber ohne Vereinsmeierei, durchgeführt. Der Nikolaus, im wirklichen Leben Hermann Kröller, konnte 1982 sein ,,Dreißigjähriges" feiern. Das erste Schützenfest wurde am 21.5.52 im Lindencafe mit Musik der ,,Harmonie Neubiberg" im Freien veranstaltet. Eintritt für Schützen und das zahlreiche Publikum: 1,- DM. Erster Schützenkönig 1952: Josef Unertl. Unser Schützenkönig führte die ganze Schützengesellschaft einschließlich der Schützenfrauen im Oktoberfest-Festzug 1952 zur Wiesen. Barbara Kröller und Ottilie Schaz stifteten das Festzug-Taferl mit dem Wackersberger Schützen, das von Hermann Kröller aufgezeichnet, vom Schreiner Fornhammer rausgeschnitten und von Georg Reichenberger angemalt wurde.

Am 1.5. 1953 nahm die Gesellschaft im Grundstück von Franz Göpfert auch eine alte Tradition aus vergangenen Neubiberger Schützenzeiten, nämlich das Schießen auf einen freistehenden Adler aus Holz (1 m auf 1 m) in 7 m Höhe, wohl ein Relikt aus der Armbrustzeit, wieder auf. Dieses Adlerschießen, bei dem der Schütze Sieger wird, der das meiste Holzgewicht abschießt und das wir Neubiberger im weiten Umkreis als die Einzigen betreiben, -kehrt seit dieser Zeit alle Jahre wieder, so wie das Christkindl. 1953 wurde auch das vierzigjährige Stiftungsfest gefeiert. Franz Göpfert sen., 1 . Schützenmeister von 1953 bis 1954, konnte mit Stolz feststellen, dass über 200 Schützen der Sektion München-Ost-Land an diesem Preisschießen im Lindencafe in Form eines Sternschießens teilgenommen hatten. Im Jahre 1953, in dem Ludwig Schmidl zum Ehrenmitglied ernannt wurde, fand auch zum ersten Mal der jedes Jahr wieder fällige Ausflug statt. Für damalige Verhältnisse ging’s schon ziemlich weit, nämlich zur Maxlmühle im Mangfalltal. Richard Schäder, erster Schützenmeister von 1954 bis 1960, führte ein Vergleichsschießen ein und zwar mit drei Nachbarvereinen. 1955 in Neubiberg, 1956 in Oedenstockach, 1957 in Putzbrunn und 1958 in Hohenbrunn. An der Neubiberger Veranstaltung beteiligten sich 72 Schützen. Mit Recht kann dieses Freundschaftsschießen als ein Vorläufer der jetzigen Rundenwettkämpfe der Sektion gewertet werden. 1956 nahm die Gesellschaft einstimmig die vom Schützenmeisteramt ausgearbeitete Satzung an. lm selben Jahr verlegten wir den Schießstand vom Lindencafe in die Bahnhofgaststätte Hartl, dem jetzigen ,”Neubiberger Hof”, mit dort 3 Ständen. Für alle Schützenbrüder wurden einheitliche Bierkrüge, in deren Messingdeckel die Namen eingraviert waren, beschafft. Einheitlich ging’s auch bei den Schützenfrauen zu; sie besorgten sich einheitliche Dirndl. 1959 fand zur Feier des 70. Geburtstages von Ehrenmitglied Ludwig Schmidl ein Fackelzug mit anschließendem großen Fest statt. Das jährliche Adlerschießen, seit 1953 auf dem Grundstück von Franz Göpfert, wurde 1961 zum ersten Mal vor dem Vereinsheim des Turn- und Sportvereins durchgeführt. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Einmalig der Adler des Jahres 1962. Der war nämlich nicht wie sonst aus leicht brechbarem geleimtem Hirnholz gefertigt, sondern aus einer Pressplatte. Da konnte man mit gutem Gewissen ,,Gut Holz" sagen, aber nur, wenn man im Besitz einer Panzerfaust gewesen wäre. 1962, unter der Ara des
1 . Schützenmeisters Dionys Reiter, verabschiedete sich der allseits beliebte Sektionsschützenmeister der Vor- und Nachkriegszeit, Sebastian Vogel; sein Amt übernahm Josef Schmuck aus Hohenbrunn. 1963 beschloss man mit einer Satzungsänderung, dass das Schützenmeisteramt nicht mehr für ein, sondern für zwei Jahre gewählt wird.

Anlässlich des Preisschießens mit elf befreundeten Schützenvereinen zum 50 jährigen Jubiläum unserer Gesellschaft im Jahre 1963 wurde im Hof der Gaststätte Hartl eine Schießanlage mit 8 Ständen aufgebaut. 142 Schützen beteiligten sich. Die Jubiläumsscheibe, die Festscheibe und die Glücksscheibe blieben in Neubiberg (Emmeran Hörl, Willi Mummeshohl und Georg Reichenberger), die Meisterscheibe ging nach Unterhaching (Adlerhorst) und der 1. Preis des Sternschießens nach Hohenbrunn. Das Jubiläum selbst wurde nur vereinsintern in der Gaststätte Hartl gefeiert. Bei einer Abstimmung im selben Jahr sprachen sich zwar 20 Schützen für und nur 2 Schützen gegen die Errichtung eines Schützenheimes in eigener Regie aus, aber leider konnte das Schützenmeisteramt aus finanziellen Gründen diese an sich gute Idee nicht verwirklichen. Ein Jahr nach Beginn seiner 10 jährigen Amtszeit als 1. Schützenmeister (1965 bis 1974) konnte Georg Reichenberger mit einem außergewöhnlichen persönlichen Einsatz einzelner Schützenbrüder eine neue Schießstätte mit 5 Ständen im Hotel Hartl aufbauen. Am 5.1.66 wurde hier der Schießbetrieb aufgenommen, aber leider musste er bereits 1970 dort wieder eingestellt werden, weil unser Schützenlokal der Neuschaffung von Fremdenzimmern weichen musste. Wir kehrten dorthin zurück, wo wir 1951 bei der Neugründung wieder anfingen - ins Lindencafe. Zum 60. Geburtstag unserer Gesellschaft wurde am 8.11.73 ein umfangreiches vereinsinternes Preisschießen abgehalten und am 10.11 .73 im Lindencafe groß gefeiert. Sektionsschützenmeister Schmuck zeichnete bei dieser Gelegenheit Georg Reichenberger mit dem großen Ehrenzeichen der Sektion München Ost-Land aus.

 

Das Jahr der Erneuerung sollte das Jahr 1974 werden. Angefangen hatte es mit der Beschaffung einer neuen Schützentracht, da den ,,Jungen" die bisherige Tracht zu sehr nach Großvater aussah und weiter ging’s mit der Wahl eines ,,jungen" Schützenmeisters. Peter Gutjahr wurde 1. Schützenmeister, ein Amt, das er heute bereits im neunten Jahr zu unserer vollsten Zufriedenheit innehat. Er weiß, wie man Pferde bewegt, das heißt, er hält uns alle ganz schön in Trab, selbst die lahmsten Gäule. Georg Reichenberger wurde für seine 10 jährige Tätigkeit als 1 . Schützenmeister zum Ehrenmitglied ernannt. Ein Vereinsabzeichen mit Ausführungen in Silber und Gold für fünfzehn- und fünfundzwanzig jährige Mitgliedschaft wurde eingeführt und durch Satzungsänderung die Funktion des Sportleiters offiziell neu geschaffen. Erster Sportleiter: Helmut Salminger. Der seinerzeit vom verstorbenen Schützenbruder Mummeshohl eingeführte Brauch, für jeden Schützenkönig eine Scheibe mit dessen Foto zu fertigen, soll insofern wieder erneuert werden, als jetzt die Ausführung der von der Gesellschaft bezuschussten Königsscheibe dem jeweiligen König überlassen bleibt. 1976 wurde zum ersten Mal mit der Gemeinde Neubiberg wegen eines jährlichen Zuschusses Verbindung aufgenommen. lm selben Jahr ernannte die Gesellschaft Hermann Kröller wegen seiner 20 jährigen Tätigkeit als Schriftführer zum Ehrenmitglied. Entsprechend unserem bereits früher erwähnten Motto, gefeiert wird alles, was es nur zu feiern gibt, feierten wir ,,Dreiundsechzig jährigen" am 23.10.76 im Lindencafe unsere 25 jährige Wiedergründung. Das dem Fest vorangegangene Preisschießen konnte im Bürgerhaus Putzbrunn abgehalten werden. Hermann Kröller erhielt für seine fast 30 jährige Schriftführertätigkeit aus der Hand des Sektionsschützenmeisters Josef Schmuck das große Ehrenzeichen der Sektion und Emmeran Hörl und Adolf Foos das goldene Mitgliederabzeichen des Bayerischen Sportschützenbundes für 40 jährige Mitgliedschaft. 1980 wurden wir mit der Durchführung des Balles der Neubiberger Vereine in der Hachinga-Halle beauftragt. In diesem Jahr hatten wir auch zum ersten Mal in unserer Geschichte bei den Rundenwettkämpfen der Sektion einen Erfolg zu verzeichnen. Unsere Mannschaft wurde in der Klasse C Gruppe 3 der Erste.

 

1980 brachte aber auch für unsere Gesellschaft eine völlige Neuordnung, sowohl hinsichtlich der Struktur als auch hinsichtlich der personellen Zusammensetzung. Eine vom Schützenmeisteramt von Grund auf neu erarbeitete Satzung wurde angenommen, die Gesellschaft ins Vereinsregister als ,,D'Waldschützen Neubiberg e.V. 1951 " eingetragen und das Finanzamt erteilte die Feststellung der Gemeinnützigkeit. Geradezu revolutionär im Hinblick auf unsere bisherige mehr konservative, mehr das Gesellschaftsschützentum betonende Einstellung, waren die mit Mehrheit gefassten Beschlüsse, eine Jugendgruppe zu bilden und Frauen als aktive Mitglieder aufzunehmen. Man war sich aber auch bewusst, dass bei dem geringen Volumen des Schießstandes im Lindencafe diese geplante personelle Vergrößerung vorerst gar nicht durchgeführt werden konnte. Um ihr etwas näher zu kommen, zogen wir 1981 vom Lindencafe mit seinen 4 Ständen aus und übernahmen vorübergehend 8 Stände des Schützenvereins Putzbrunn beim ,,Alten Wirt,, in Putzbrunn. Jetzt konnte mit dem Aufbau der Jugendgruppe begonnen werden und die 1981 aufgenommenen 5 Schützenschwestern sich auf kommende Schießerfolge vorbereiten. Gleich vorweg genommen, die Vorbereitung war anscheinend ausgezeichnet, denn der Schützenkönig 1983 wurde zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gesellschaft eine Frau, Brigitte Seibold. Dass dem Peter Gutjahr mit der Gründung der Jugendgruppe und der Ergänzung unserer Leistungsträger durch weibliche Hilfskräfte offensichtlich ein Herzenswunsch erfüllt wurde, veranlasste ihn wahrscheinlich dazu, die Jugendschützenkette der Waldschützen zu stiften. Erster Jugend-Schützenkönig unserer Gesellschaft wurde 1981 Christian Verfürth. Auch von Seiten der Gemeinde Neubiberg fand die Jugendarbeit Anerkennung, stiftete sie doch einen ansehnlichen Betrag zum Ankauf von Übungsgewehren für unsere Jugend. Interessant ist, dass auch Bürger in Uniform als Mitglieder bei uns tätig sind. Es handelt sich dabei um Studierende der Bundeswehrhochschule Neubiberg, die auf diese Weise in das aktive Vereins- und Gemeindeleben Neubibergs integriert werden. Mit der längst fälligen, aber aus finanziellen Gründen immer wieder verschobenen, vollständigen und kostspieligen Restaurierung, konnten wir 1981 unsere über 50 Jahre alte Fahne vor dem Verfall retten.

Am 15.9.82 verwandelten wir uns von Wanderburschen in sesshafte Neubiberger Schützen, wir bezogen nämlich die Schießanlage mit 14 Ständen im neuen, von der Gemeinde Neubiberg erbauten Sportpark . Zur Eröffnung dieser Anlage führten wir im September ein Prominentenschießen mit 150 Personen und im Oktober ein Bürgerschießen, offen für alle am Schießsport Interessierten, durch. Für je 10,- DM konnten ca. 180 Bürger nicht nur schießen, sie erhielten auch zur Erinnerung je einen Zinnteller mit unserem Vereinsemblem. Beide Veranstaltungen brachten uns Anerkennung und Dank, und stärkten damit unsere Stellung bei der Neubiberger Bevölkerung. Etwas zweckentfremdet kommen wir Schützen uns schon vor, wenn wir an dem jährlichen Fest der Vereine Neubibergs - früher im Abloner Garten und jetzt im Schopenhauerwald - Wurst- und Fischsemmeln verkaufen. Da man für dieses Verkaufsgeschäft nur die intelligentesten Leute brauchen kann, sind unsere Verkäufer ausschließlich der 1. und 2. Schützenmeister. lm wahrsten Sinne des Wortes bekamen wir den Marsch geblasen, denn unser Toni Seibold komponierte eigens für uns den ”Waldschützenmarsch". Nicht vollständig wäre dieser Überblick, würden wir nicht die Schützenbrüder erwähnen, denen wir es unter anderem zu verdanken haben, dass sich die Schießergebnisse in der letzten Zeit unter Ausnutzung der jetzt bedeutend größeren Übungsmöglichkeiten ganz erheblich verbessert haben. Hier meine ich Franz Zannoth, Gerd Lechner, Toni Seibold, Herbert Roth, Johann Bugla, Peter Gutjahr und Willi Wüstmann.

Und nun steht das große Fest anlässlich der Gründung unserer Gesellschaft vor 70 Jahren vor der Tür und damit steht auch sehr, sehr viel Arbeit, viel Verantwortung und Risiko ins Haus. Das merkten bereits die Mitglieder des Festausschusses, dem außer dem Schützenmeisteramt (1. Schützenmeister Peter Gutjahr, 2. Schützenmeister Franz Zannoth, Schriftführer Hermann Kröller, Sportleiter Gerd Lechner und Kassier Rudi Schmidt) Richard Bredenfeld sen., lngo Puzicha, Fritz Gruner und Toni Seibold angehören.

Zum Zeitpunkt unseres Jubiäums besteht unsere Gesellschaft aus 82 Mitgliedern, nämlich aus 2 Ehrenmitgliedern, 34 aktiven Schützenbrüdern, 10 aktiven Schützenschwestern, 12 passiven Schützenbrüdern und 24 Jugendlichen, wovon 3 weiblichen Geschlechts sind. Wir sehen also, die Zeit der 20 Mitgliedergrenze ist vorbei, eine neue Zeit hat begonnen. Lassen wir aber doch den Alten ihre, für sie schöne und auf ihre Art erfolgreiche Zeit und der Jugend die Zukunft, denn unsere Zukunft lag und liegt ja doch in unserer Vergangenheit. Die Dinge müssen sich eben ändern, um dieselben zu bleiben.

Den 1. Schüützenmeister Peter Gutjahr, der unsere Gesellschaft praktisch vom Gestern ins Heute führte, bitte ich zum Wohle unserer Gesellschaft diesen, meinen Wahlspruch sich eigen zu machen:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, eines vom andern zu unterscheiden.

 

Hermann Kröller

Sch-farbe

Aktualisiert am
14.03.2019

Überschrift